News: Stockphoto-Portal Shutterstock integriert KI-Bilder und gibt eine Antwort auf die Gretchenfrage

5.11.2022 - 09:41 Uhr

Seit kurzem steht die Frage im Raum, wie Künstler und Stock-Fotodienste überleben können, wenn bildgenerierende KIs wie DALL-E 2, Stable Diffusion oder Midjourney beliebige Bilder quasi kostenlos erzeugen können - und das zum Teil auch schon auf dem heimischen PC.

Shutterstock, das größte Portal für Stockphotos, hat jetzt eine Antwort gegeben: Shutterstock wird seinen Usern die Möglichkeit geben, selbst Bilder mithilfe von DALL-E2 zu generieren. Seit 2021 gibt es eine Partnerschaft mit OpenAI, welche bereits dazu genutzt wurde, DALL-E2 mittels der riesigen Shutterstock-Bilddatenbank samt Verschlagwortung zu trainieren.

Integration von OpenAIs DALL-E 2 in Shutterstock

Die Integration von DALL-E 2 soll in den kommenden Monaten auf Shutterstock eingeführt werden und Kunden einen direkten Zugang zu diversen Bild-KI-Funktionalitäten bieten - wir vermuten, daß neben der Generierung von beliebigen fotorealistischen oder auch abstrakten Bildern per Text auch Funktionen wie "image-2-image" (also die Verwendung von Bildern oder Skizzen als Vorlage für neue KI-Bilder) sowie In- und Out-Painting (also die gezielte Änderung einzelner Bildbereiche bzw. die Ergänzung eines Bildes über die Grenzen hinaus) gemeint sind.

Wie genau diese Integration aussehen wird und ob es auch tatsächlich Zugriff auf bereits von anderen generierte KI-Bilder geben wird und zu welchen Konditionen, hat Shutterstock noch nicht verlautbart. Es ist aber durchaus denkbar, daß sich hier ein eigener Markt entwickeln könnte - braucht es doch oft einiges an Erfahrung und Phantasie, um per Prompt genau das Bild zu generieren, das den eigenen Vorstellungen entspricht. Shutterstock deutet auch an, daß selbst erzeugte Bilder nicht exklusiv sind und so auch anderen Nutzern zur Verfügung stehen könnten.

Copyright auf KI-Bilder?

Noch nicht klar ist, wie Shutterstock mit der Tatsache umgehen wird, dass - zumindest nach aktuellem amerikanischem Recht - von KIs generierte Bilder nicht dem Copyright unterliegen, also beliebig kopiert werden können. Es scheint aber so, also wollte Shutterstock die generierten Bilder trotz dieser rechtlichen Lücke wie seine anderen Stockphotos behandeln und sie nach seinem üblichen Modell lizenzieren. Bilder, die außerhalb des Deals mit OpenAI per KI erzeugt werden, sollen wegen der Unklarheit, wem das Bild eigentlich gehört, verboten bleiben - wie schon bei anderen Stockphoto-Portalen wie etwa Getty Images. Wie aber solche Bilder erkannt werden sollen, ist ein Problem - nur KIs können künstlich generierte Bilder erkennen, doch die bildgenerierenden KIs wiederum so trainiert werden, daß sie sich für bilderkennende KIs unkenntlich machen.

Ebenfalls noch nicht geklärt ist die rechtliche Frage, ob Künstlern, deren Bilder als Trainingsmaterial genutzt wurden, ein Einspruchsrecht dagegen oder ein Obolus zusteht. Shutterstock jedenfalls hat sich - auch im Interesse der Künstler, von denen der Dienst lebt - dazu entschlossen, Künstlern, deren Werke zur Training der KI-Modelle beigetragen haben, eine Vergütung zukommen lassen. Es sollen auch Künstler in Form von Tantiemen entlohnt werden, wenn ihr geistiges Eigentum genutzt wird. Das deutet daraufhin, daß Künstler, deren Namen in Texteingaben zur Generierung von Bildern in ihrem Stil genutzt wurde, Geld erhalten könnten. Solange dies aber nicht in ein Gesetz gegossen wird, ist diese Entlohnung nur eine reine Goodwill-Geste, die aktuell auch nur Shutterstock angekündigt hat.

Wieviele Urheber hat ein KI-Bild?

Wenn Shutterstock allerdings wirklich diesen Ansatz konsequent verfolgen will, der im folgenden Satz formuliert ist, wird die Kompensation der Künstler kompliziert: "Da KI-Modelle zur Generierung von Inhalten das geistige Eigentum vieler Künstler und ihrer Inhalte nutzen, können die Eigentumsrechte an KI-generierten Inhalten nicht einer einzelnen Person zugewiesen werden, sondern müssen alle Künstler entschädigen, die an der Erstellung jedes neuen Inhalts beteiligt waren."

Werden Künstlernamen im Prompt nicht explizit angeben, wer kann dann wissen, wessen Mal-/Photostil die KI in einem Bild verwendet? Was ist mit den vielen namenlosen Photographen und Künstlern, deren Bilder und Photos zum Training verwendet wurden? Und was ist mit bereits gestorbenen Künstlern?

Wie hoch darf der Preis für ein KI-Bild sein?

Shutterstock positioniert sich so nicht als Konkurrenz zu den Bilder-KIs, sondern als ein Dienst, der neben einer großen Auswahl an echten Photos auch generierte Bilder anbietet, um so als universelle Schnittstelle für Bildsuchende zu agieren, um so auch einen Teil vom KI-Kuchen abzubekommen, anstatt womöglich langsam immer mehr Kunden an Bild-KIs zu verlieren. Zugleich will Shutterstock aber nicht seine Künstler zu verprellen, deren Werke (noch) die Grundlage von Shutterstocks Business darstellen. Die Frage ist, ob die vorgesehene Kompensation reichen wird, um deren wahrscheinlich bald einbrechende Einnahmen zu ersetzen.

Denn die Kosten für die KI Bilder (und damit auch die dadurch generierten Einnahmen, die sich Shutterstock, OpenAI und die Künstler aufteilen müssen) dürfen nicht zu hoch ausfallen - dafür gibt es zu viel kostenlose bzw. sehr billige Konkurrenz. So ist Stable Diffusion frei verfügbar für die Anwendung auf dem eigenen PC - alternativ gibt es auch zahlreiche Online-Dienste, die Zugriff bieten. Selbst OpenAIs vormals geschlossenes DALL-E2 ist seit kurzem offen verfügbar und bietet 200 kostenlose Bildgenerierungen im ersten Monat und dann 460 für jeweils 15 Dollar. Die per KI generierten Bilder unterliegen allerdings noch den allgemeinen Beschränkungen von DALL-E 2 (ähnlich den anderen KIs): sie sind momentan nur 1.024 x 1.024 Pixel groß und Schriften in den Bildern sind oft eigenartig und unverständlich.

Auch für Produzenten von Stockfootage ist diese Entwicklung relevant, denn durch neue "text2video" KIs wie Googles Imagen Video und Phenaki oder Metas "Make-a-Video" können in absehbarer Zukunft auch Videos beliebig erzeugt werden.

(thomas)

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