News: Vorschlag: In Zukunft öffentlich vollfinanzierte Dokumentarfilme mit offener Lizenz im Netz

23.2.2020 - 10:55 Uhr

Dokumentarische Filmschaffende haben es bekanntlich schwer, ihre Projekte ausreichend finanziert zu bekommen. Selbst wenn ein Sender interessiert ist, wird oft nur eine Teilfinanzierung gestellt, der Rest muss über weitere Fördertöpfe, Geldgeber oder Vertriebswege organisiert werden, was großen, zusätzlichen Aufwand für die Produktion bedeutet. Gleichzeitig hat es zur Folge, dass die Filme der Öffentlichkeit später meist nicht frei zur Verfügung gestellt werden können, obwohl sie mit Steuergeldern produziert wurden, da diese eben nur einen Teil des Budgets ausmachen.

Die Initiative "Docs for Democracy" der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) hat nun ein völlig neues, beitragsfinanziertes Produktions- und Distributionsmodell für Dokumentarfilme vorgeschlagen. Die Konzeptskizze sieht vor, dass mit öffentlichen Rundfunkbeiträgen aus einem eigenen neuen Topf finanzierte Dokumentarfilme zukünftig unter offenen Lizenzen mit Hilfe von Open Source Technik im Netz veröffentlicht werden.

Der Grundsatz des neuen Modells: öffentliches Geld soll ohne Wenn und Aber zu öffentlichem Gut werden. Frei zugängliche Dokumentarfilme würden so die Kernaufgabe und -funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, nämlich den Bildungsauftrag, erfüllen.

Die Finanzierung

Aktuell gibt die ARD bei einem Ertrag von rund 5.6 Milliarden Euro aus Rundfunkbeiträgen (2018) für alle dokumentarischen Produktionen zwischen 10 und 90+ Minuten lediglich 0,77% ihrer Gesamteinnahmen aus, das ZDF immerhin 2,4% (bei 1.9 Milliarden Euro Erträgen). Die Finanzierung der Dokumentarfilme nach dem neuen Modell soll zwar auch mit Beitragsgeldern, aber ohne Einbeziehung der Anstalten erfolgen.

Initiative Docs for Democracy
Initiative Docs for Democracy

Die Initiative setzt dafür bei den ebenfalls mit Beitragsgeldern finanzierten Landesmedienanstalten an. Auch sie dürfen laut des derzeit noch in Beratung befindlichen Medienstaatsvertrages den lokalen und regionalen Rundfunk fördern. Das Konzeptpapier schlägt vor, diese Regelung auszuweiten und das Budget der Landesmedienanstalten um zwei Prozent zu erhöhen, um mit diesem Geld (ca. 160 Millionen Euro jährlich) das neue Modellprojekt zu finanzieren. Dieses würde also zusätzlich zu den in den rechtlich-öffentlichen Sendern laufenden Dokus Dokumentarfilme im Netz präsentieren.

Freie Lizenzierung

Alle im Rahmen dieser Förderung entstandenen Filme sollen unter einer Creative Commons Lizenz erscheinen. Voraussetzungen für eine solche Veröffentlichung ist nach dem Vorschlag der Initiative ein "Global Buyout", d.h. die Veräußerung aller Rechte an einem Werk gegen ein pauschales Honorar. Dies soll freien Filmschaffenden, die nicht über Festanstellungen oder regelmäßiges Gehalt verfügen, eine auskömmliche Finanzierung sichern.

Als Lizenzierung soll die Creative Commons BY-SA zum Einsatz kommen, welche auch die kommerzielle Nutzungen ermöglicht. So könnten Dokumentarfilme (oder Teile davon) auch in anderen Projekten wie der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia oder auf Bildungplatformen zum Einsatz kommen.

Die Vergabe der Fördergelder

Die Vergabe von Produktionsgeldern soll mittels eines teil-randomisierten Modells erfolgen, in dem vorab eine Jury die anonymisierten Einreichungen auf die Einhaltung der Förderkriterien prüft und alle grundsätzlich förderwürdigen Projekte anhand einer Kurzbeschreibung ermittelt und für jede Kategorie ein Projekt auswählt.

Die Kriterien für die Förderung definieren sich über Diversität in Inhalt, Form und Personen vor und hinter der Kamera, gesellschaftlich relevante Themensetzung sowie Vereinbarkeit mit Grundgesetz und Pressekodex. Weitere Förderslots sollen dann wie es scheint unter den restlichen, qualifizierten Projekten verlost werden. Für die Kino- und Festivalauswertung geeigneter Filme ist eine eigene Förderschiene vorgesehen.

Eine technische Plattform auf Open Source Basis soll nicht nur die Dokumentarfilme selbst zugänglich machen, sondern auch weiterführende digitalisierte Archivmaterialien (zum Beispiel von Museen) zu den Themen der Filme einbinden können.

(thomas)

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